Orientierungsfahrt im Schwarzwald

Markgräfler Landfahrt, ein Bericht von Christian F.

Und weil ich nicht wusste, was eine Markgräfler Landfahrt (oder Markgräflerland Fahrt?) ist, hab ich einfach mal mitgemacht.

Worum geht's?

Das Markgräflerland ist die südwestlichste Ecke Deutschlands. Etwas südlich von Freiburg grenzt es im Westen an Frankreich und im Süden an die Schweiz. Im Osten sind noch Ausläufer des Schwarzwaldes. Aber ist Markgräfler Landfahrt richtig? Immerhin geht die Veranstaltung über (mindestens) zwei Tage und Startpunkt ist Maulbronn, das liegt im Nordschwarzwald.

Aber der Reihe nach.

Irgendwann Ende Mai/Anfang Juni gab es die Ausschreibung zur Veranstaltung hier auf der Internetseite. Der Termin für die Fahrt stand zwar schon fest, es ist immer das lange Wochenende um Fronleichnam, aber die Einzelheiten werden erst kurz vor der Fahrt veröffentlicht. Dann steht ein PDF zum Download bereit, das alle Infos enthält, die neugierige Einsteiger wie ich brauchen. Aber auch die Wiederholungstäter kommen nicht ohne diese Informationen aus. Es wird die Karte bekanntgegeben, mit der gefahren werden muss und das Lösungswort. In diesem Jahr hieß es CONDOR (eine alte schweizer Motorradmarke). Start ist in jedem Jahr Maulbronn und der Zielort ist Münstertal, also geht es einmal der Länge nach durch den Schwarzwald. Für jeden Buchstaben des Wortes CONDOR muss der Reihe nach ein Ort angefahren werden, der mit dem Buchstaben anfängt. Dabei sollte man sich eine Strecke erarbeiten, die in der Luftlinie möglichst kurz ist, weil jeder Millimeter bei der Wertung einen Strafpunkt bedeutet. Meine Strecke sah folgendermaßen aus: Maulbronn – Calw – Oberreichenbach – Neubulach – Dornstetten – Oberharmersbach – Riegel – Münstertal. Ich glaube, das ergab 334 Strafpunkte. Die besten Teilnehmer hatten eine Strecke gefunden, die mit 320 Punkten auskam und davon gab es sogar mehrere Varianten.

Stempel? Sowas gibt's noch?

Die Rechnung stimmt aber nur, wenn man nachweisen kann, dass man auch den aufgeführten Ort angefahren ist. Dazu muss man sich in jedem Ort ein Geschäft, eine Firma oder eine Institution suchen, die bereit ist, einen Stempel auf dem Wertungsbogen zu hinterlassen. Wichtig ist, dass der Ortsname im Stempel steht. Das ist nicht immer einfach, aber ich hatte Glück und nach meinem Stempel eines Schusters in Maulbronn hat mir in Calw die Rennleitung mit einem Adressstempel weitergeholfen. Dieses ganze Gedöns nennt sich übrigens Zielfahrt. Wie und wann man die Orte anfährt, ist jedem selbst überlassen, nur sollte man am Freitag vor 18:00 Uhr am Ziel sein, sonst gibt's wieder ordentlich Strafpunkte.

Ich hatte mir für diese Aufgabe viel Zeit genommen und bin schon am Mittwoch von Ort zu Ort gefahren, so konnte ich zusätzlich noch ein paar Orte mit Stadttoren für die Tourenzielfahrt anfahren. Die Tourenzielfahrt ist eine spannende Jahresaufgabe vom BVDM / LVRR, aber von der soll an anderer Stelle erzählt werden. Am Donnerstag hatte ich Zeit für meinen Urlaub und am Freitag habe ich mich wieder der Zielfahrt gewidmet, um in Münstertal meinen letzten Stempel zu sammeln. Kurz nach 14 Uhr bin ich bei Anita und Hans ins Ziel gefahren und habe meine Stempelkarte abgegeben. Ich war aber nicht der Erste und so entstanden schnell Gespräche mit den anderen Teilnehmern über Erlebnisse und die richtige, kürzeste Strecke. Am Abend trafen sich dann alle Teilnehmer zum gemeinsamen Essen im Gasthaus Sonne.

Ori-Fahrt oder frei nach Billy Joe Thomas: „Raindrops keep fallin' on my Helm"

Am Samstagvormittag haben sich alle Teilnehmer wieder bei Anita und Hans getroffen. Dort wurden uns die Fahrunterlagen für die Orientierungsfahrt ausgehändigt. Es gab wieder zwei Klassen. Eine leichtere Aufgabe für „Touristen" und für „Profis" eine etwas anspruchsvollere, die zusätzlich auf eine vorgegebene Zeit achten mussten. Das Teilnehmerfeld fand ich beachtlich, das kannte ich von der Westerwald-Ori anders, aber da war das Wetter auch sehr schlecht. Hier waren wir alle guter Dinge, auch wenn sich unsere unterschiedlichen Wetter-Apps nicht einig waren, wie es werden wird.

Für's erste begannen wir bei schönstem Wetter mit der Planung der Strecke für den ersten Abschnitt der heutigen Tour. Dazu mussten Pfeile von Pergamentpapier auf die Karte übertragen werden. Das war schon nicht ganz leicht, aber viele Routiniers hatten eine Lupe dabei, das half ein wenig. Die Pfeile lagen verstreut auf der Karte und die Aufgabe bestand darin, immer den nächsten Pfeil auf kürzestem Weg zu finden und zu verbinden. Das Zwischenziel war die Kuchenkontrolle. Gegen 12 Uhr machten sich die ersten Fahrer vom Hof und frei nach Schnauze folgten alle nach eigenem Ermessen. Die Fahrzeit wurde erst ab der Kuchenkontrolle gewertet, wie ich später hörte. Aber das war mir gleich, da ich als Tourist an den Start ging.

Die Wegfindung war mit der Karte nicht besonders schwer, da die anspruchsvolle Topografie der schönen Gegend den Straßenverlauf vorgab. Einzig in den Ortschaften musste man sich konzentrieren und genau hinschauen, um auf der vorgegebenen Strecke zu bleiben. Ich durfte auch ein / zweimal drehen. Es galt aber nicht nur die Strecke abzufahren. Unterwegs musste man auf alle Orte achten, die zu durchfahren waren. Von jedem Ort, und dazu gehören auch jene, die mit gelber Schrift auf grünem Grund ausgewiesen waren, musste der erste Buchstabe auf die Bordkarte in richtiger Reihenfolge eingetragen werden.

 

Wetter? Aber die App hat doch gesagt...

Den Ort Münstertal konnte ich noch ruhig und flockig verlassen. Danach ging es schon in die ersten schönen Kurven und dabei muss ich mich immer noch daran erinnern, die richtige, sichere Linie zu fahren. Es ging gut über den ersten Berg. Dabei hatte ich auch schon ein paar Buchstaben gesammelt, die ich bei einem kurzen Stopp eintrug. Irgendwas kam mir seltsam vor. War ich noch richtig? Es gab ungewöhnlich wenig Verkehr auf den Straßen. Und dann realisierte ich, dass es sich von Süden grau zuzog. Wahrhaben wollte ich es nicht: „Das sind nur Wolkenfetzen, hinterm nächsten Berg sieht's besser aus." Pustekuchen, da gab es die ersten kleinen Tropfen auf's Visier. Das hielt aber nicht lange an und ein paar Kurven später sah ich die Sonne wieder. Leider nur kurz, denn jetzt zog dichter Nebel auf und tausende winzige Tropfen erschwerten die Sicht. Spätestens jetzt hätte ich die Regenkombi überziehen müssen, aber ich war immer noch von meiner Wetter-App überzeugt: wird nicht so schlimm. Die anderen Teilnehmer, die ich unterwegs sah, hatten ihre Kombis schon an oder sie waren gerade dabei sie überzustreifen. Die Tropfen wurden größer und mehr. Die Sicht und die Orientierung wurden schlechter, denn durch die nasse Regenhaube am Tankrucksack war das Lesen der Karte nicht einfach. Und zu alledem versagte bei der Nässe auch der Kugelschreiber seinen Dienst. Also musste ich mir wieder alle Buchstaben merken. Hoffentlich geht das gut, sonst kann ich die Tour mit „hat teilgenommen" abhaken.

Richtig nass erreichte ich den Ort Hasel. Hier erlebte ich mein Highlight dieser Ori. In diesem kleinen Ort gab es im Verhältnis zur Ortsgröße sehr viel Verkehr, aber es waren alles Teilnehmer der Ori. Hier und da standen welche am Straßenrand, teilweise in Grüppchen, andere kamen mir entgegen, da musste ich schmunzeln. Aber ich verfolgte stoisch meinen Weg. Als ich aber auf die B518 stieß, wusste ich, ich bin falsch. Also rechts ran und die Nase wieder in die Karte gesteckt. „Ah! Etwas zurück, abbiegen und dann auf die richtige Straße." Als Orientierungspunkt hatte ich die Erdmannshöhle gefunden, welche im Ort auch ausgeschildert war. Im Ort bin ich wieder mit grüßender Hand an den andern vorbei gefahren. Kurz vor der Höhle war eine Schranke, aber diese war offen und so fuhr ich weiter. Eine Straße war das aber nicht mehr, wie mir schien, eher ein leerer Parkplatz, und am südlichen Ende versperrte eine geschlossen Schranke meine geplante Route. Also nochmal wenden. Zum Glück gibt es im Schwarzwald viele Gebäude mit gigantischem Dachüberstand, so konnte ich mich unterstellen, Buchstaben notieren und Karte studieren. An dieser Stelle musste die Route umgeplant werden. Sperrungen und Verkehrsschilder stehen in keiner Karte. Vielen Dank an Hans für diese kleine Finesse. Der richtige Weg führte jetzt kurz über die B518. Jetzt war es auch nicht mehr weit bis zur Kuchenkontrolle, die ich tropfnass, aber innen noch trocken erreichte.

Reise nach Jerusalem unterm Pavillion

Anita wartete mit Kaffee und Kuchen und weil sie das Wetter in der Gegend besser kennt, hatte sie mit einem Pavillon für einen trocken Unterstand gesorgt, den schon ein paar Fahrer/Innen vor mir nutzten. Trotz Regen schienen mir alle bei guter Laune zu sein. Ob da was im Kuchen war?? Nach und nach fanden immer mehr Fahrer den Weg zum Etappenziel und es wurde eng und kuschelig unter dem Pavillon. Ein paar Teilnehmern war es etwas zu viel des Regens und so beschlossen sie, die Fahrt abzubrechen und ohne zweite Aufgabe zurück nach Münstertal zu fahren. Die meisten jedoch trotzten dem Wetter mit dem Wissen auf die sonnigen 30 Grad am Sonntag. Spätesten dann werden alle Sachen wieder trocknen.

Um für mehr Platz unterm Pavillon zu sorgen, machte ich mich als einer der ersten auf den Weg, die zweite Aufgabe der Tour zu bestreiten. Dann käme ich auch schneller aus den nassen Klamotten. Jetzt wurde nach Chinesenzeichen gefahren. Da ich jetzt nur noch auf ankommen und trockenlegen fuhr, fiel es mir sehr leicht. Viel mehr beschäftigte mich der letzte Anstieg zum Schützenheim, dem Ziel der Veranstaltung. Anita und Hans hatten erwähnt, dass es recht steil und über Steine rauf zur Hütte führt. Soll ich das fahren oder lieber unten Parken? Was würde mich erwarten? So mit Gedanken beschäftigt, habe ich beim Merken der Ortsbuchstaben auch noch einen Fehler eingebaut, wie sich am Abend herausstellen sollte.

 

 

Finale Herausforderungen

Die Tour näherte sich dem Ende. Es waren nur noch drei Zeichen auf der Liste und ich fuhr langsam bergab nach Münstertal. Dann ging es rechts ab und sofort halb links über Schotter leicht aufwärts in Schrittgeschwindigkeit zum Parkplatz und vor mir am Berg lag das Schützenheim, unser Ziel. Nochmal halb links sah ich die steile Rampe hinauf. Die Fahrspur sah fest aus, Rasengittersteine die von Wasserrinnen aus Metall ein paar mal unterbrochen waren. Das könnte bei der Feuchtigkeit glatt sein! „Ach was - du fährst dahin, wo du hinschaust!" Gedacht getan und noch aus dem Rollen fuhr ich mit leichter Beschleunigung intuitiv auf dem linken Streifen rauf. Das war richtig, da sich oben sofort eine enge Rechtskurve anschloss. Geschafft! Noch eben die Buchstaben in die Fahrkarte eintragen, abgeben und hoffen, dass alles richtig ist. Jetzt erst mal raus aus den nassen Klamotten und alles zum Abtropfen unter das Vordach gehängt. Drinnen habe ich dann für ein Feuer im Ofen gesorgt, damit alle es schön warm haben, wenn sie eintreffen. Da bis zum Abend noch viel Zeit war, habe ich es den anderen gleich getan und bin in die Ferienwohnung zum Duschen und Umziehen gefahren. An dieser Stelle vielen Dank für den Taxiservice, so konnte ich am Abend das Motorrad stehenlassen.

 

 

 

Abends haben sich alle Helfer, Veranstalter und Teilnehmer wieder im Schützenheim getroffen. Es wurde viel gelacht, diskutiert und geredet. Wer wollte, durfte Luftgewehr schießen. Außerdem wurden Stützlasten von Fahrzeugen kontrolliert und für das leibliche Wohl haben Anita und Hans einen gut gefüllten Grill organisiert und Salate bereitet. Als Abschluss der Markgräfler Landfahrt gab es natürlich noch die Auswertung mit Siegerehrung, in der die Punkte von Zielfahrt und Ori summiert wurden. Mit großem Erfolg teilgenommen.

Christian

 

Ergebnisse

Touristenklasse

PlatzFahrerBeifahrerMotorradStrafpunkte
1 Stefan K.   Honda Crosstourer 354
2 Christian F.   Honda CBF1000 364
3 Stefan W. Steffi W. BMW R1150GS 534
4 Mike W. Bettina W. BMW R1200GS 569
5 Andreas Z. Gabi B.-Z. BMW R1200GS LC 600

Profiklasse

PlatzFahrerBeifahrerMotorradStrafpunkte
1 Jürgen W. Annelie W. Suzuki Bandit 320,1
2 Inge A.   BMW F750GS 320,4
3 Peter A.   BMW R1200GS 320,5
4 Hans-Peter T. Jutta T. SideBike Gespann 320.7
5 Reinhard A.   BMW R1200GS 324,4
6 Norbert L.   Triumph Tiger 1050 325,0
6 Uschi L.   Triumph Thunderbird Sport 325,0
8 Jan G.   Ducati M900 330,6
9 Iris M.   BMW F650GS 335,4
10 Michael T. Claudia T. Triumph Tiger 800Xca 347,2
11 Axel M.   BMW R1100GS 350,5
12 Bernd L. Sabine L. Moto Guzzi California 1400 422,3

 

Bericht Markgräfler Landfahrt 2018

 

Video "BVDM TourenTrophy"

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Bilder Markgräfler Landfahrt 2019