Siegfried Bredl

Siegfried Bredl ist 63 Jahre alt und frei. Und darauf legt er großen Wert. Nein, er war nie in Gefangenschaft. Auch schwedische Gardinen sind ihm allenfalls aus Romanen und Filmen ein Begriff. Glücklich verheiratet ist er auch. Aber er hat sich vor mehr als 20 Jahren losgesagt aus einer Ausschließlichkeitsbindung an die Allianz Ver-sicherungen, für die er zuvor etwa 17 Jahre tätig war. Das Scheidungsdatum, der 01. April 1989, bleibt ihm in freudiger Erinnerung. Zwei bis drei Jahre muss er noch als selbständiger Versicherungsfachmann arbeiten, dann kann er sich ganz der Familie und dem Motorradfahren widmen.

Siegfried fährt, wie kann es anders sein, in seiner Freizeit Motorrad. Und das schon sehr lange. 1976 hat er sich sein erstes Traummotorrad gekauft, eine rote Honda 750/4. „Die hat bei einem Händler an der Lechbrücke gestanden, an der ich auf dem Weg zu meiner Lehrstelle immer vorbei musste. Ich habe sie regelrecht bewundert.“

Danach folgten noch viele andere Motorräder. Aktuell besitzt Siegfried eine Gold Wing und eine Yamaha MT 09 mit drei Zylindern, die er einem Kunden abgekauft hat und von der er regelrecht begeistert ist. Mit neuen Koffern versehen, habe er schon viele Kilometer damit abgespult, mehr als auf seiner Gold Wing, wie er sagt. 

Eine kleine Motorradpause hat Siegfried hinter sich. Und auf die ist er stolz. Von 1984 bis 1990 hat er sein Haus gebaut, seinen Baum gepflanzt und mit seiner Gattin Barbara drei Kinder bekommen, zwei Mädels und einen Bub. Als die beiden Mädchen - sie sind Zwillinge - geboren wurden, hat er sich am selben Tag, als er seine Gattin mit den Kindern aus dem Krankenhaus abgeholt hat, für 250 D-Mark ein neues Motorrad gekauft. Eine renovierungsbedürftige 1100 GPZ Kawasaki. Zusammen mit einem befreundeten Elektroingenieur habe er sie zum Laufen gebracht. Seine Gattin Barbara hat dafür Verständnis. Sie besitzt selbst einen Motorradführerschein, fährt allerdings lieber auf dem Soziussitz ihres Gatten mit. 

Natürlich ist Siegfried im BVDM. Ende der 90er Jahre besuchte er mehrmals hintereinander die Intermot in München, auf der der Bundesverband das Bikercamp betreut hat und mit einem Stand vertreten war. Hier war er auch aktiv. „Man kannte mich also“, sagt er.

Die rote 750/4 Honda hat ihn auch zum Versicherungsagenten gemacht. Als er sie als erste Maschine kaufte, versicherte er sie auf Anraten seines Bruders bei der Allianz Versicherung. Der damalige Versicherungsvertreter fragte ihn, ob er sich nicht nebenbei mit dem Werben für Versicherungen Geld verdienen wolle. Gelernt hatte Siegfried gerade den Beruf des Maschinenschlossers. Er willigte ein und blieb bei der Allianz, erst nebenberuflich und später, ab 1982, im Hauptamt mit einer weiteren Ausbildung bei der Allianz. 

Ende 2001 fiel ihm eine Anzeige aus der Ballhupe in die Hände. Barbara Berschneider, genannt Babs, und ihr Ehemann, die seinerzeit für die Verbandszeitschrift verantwortlich zeichneten, hatten sie geschaltet. Der BVDM suchte aus der Branche einen Referenten für Versicherungsfragen. 

Siegfried Bredl: „Im Dezember 2001 habe ich mich beworben. Allerdings war mir wichtig, gleich zu Beginn festzustellen, dass ich neben meiner Arbeit als selbstständiger Versicherungsfachmann im Ehrenamt nur einen begrenzten Zeitrahmen zur Verfügung stellen konnte. Kurz und gut, ich habe den Job bekommen. Seit Anfang 2002 bin ich nun Versicherungsreferent beim BVDM.“

Aus der langen Zeit seiner Tätigkeit für den Bundesverband der Motorradfahrer kann Siegfried Bredl nicht nur Positives berichten:

„Das Ehrenamt wird selten gedankt. Das ist einfach so.“

Siegfried Bredl ist keinesfalls verbittert, nur realistisch. Er weiß sowohl seine Branche als auch sein professionelles Umfeld richtig einzuschätzen. Versicherer blockten meist ab, wenn sie „Motorrad“ hörten und mit Kfz-Haftpflichtversicherungen sei kein Staat mehr zu machen. Mit Rabatten würden immer nur Neukunden gelockt, für die Altbestände machten die Versicherungsgesellschaften wenig.

Trotz der Widrigkeiten der Branche hat sich Siegfried Bredl gekümmert. Er hat die Gruppenunfall-Versicherung für aktive Einzelmitglieder, die bereits bestand, aktualisiert. Jedes Mitglied im BVDM ist allein durch die Mitgliedschaft unfallversichert. 

2500 Euro zuzüglich 6000 Euro für Beförderungs- und Transportkosten werden durch die Versicherung bei einem Freizeitunfall im Todesfall geleistet, 10 000 Euro bei Invalidität. Dabei ist es gleichgültig, bei welcher Art der freizeitlichen Tätigkeit der Unfall entstand. Wichtig ist nur, dass es ein Ereignis aus dem Freizeit- und nicht etwa aus der Berufsbereich ist. Für Siegfried Bredl sind das relativ geringe Leistungen. Aus seiner Sicht als Versicherungsfachmann ist das sicher auch so. 

Allerdings muss die Versicherung für den BVDM mit knapp 1000 Voll-Mitgliedern auch bezahlbar bleiben. Immerhin, so schlimm ein sogenannter Versicherungsfall auch ist, den Angehörigen wird zumindest ein wenig unter die Arme gegriffen. Und selbstverständlich ist eine solche Inklusivleistung für einen Verband auch nicht. Die meisten anderen Dachorganisationen schließen individuelle Versicherungen für ihre Mitglieder nur gegen zusätzliche jährliche Gebühren ab. 

Siegfried Bredl empfiehlt jedem Mitglied des BVDM, eine private Unfallversicherung abzuschließen, damit weitere finanzielle Folgen eines Unfalls aufgefangen werden können. Dem kann man nur beipflichten. 

Die wichtigste Versicherung für den Bundesverband der Motorradfahrer ist die Vereinshaftpflicht. Damit sind die Veranstaltungen versichert, die der BVDM ausrichtet. Die Versicherung greift, wenn von außen an den Verband Ansprüche herangetragen werden. Diese können durch einen Unfall entstehen, der im Rahmen einer solchen Veranstaltung passiert ist. Versichert ist aber nur die ruhende Veranstaltung. Ein eventuell in diesem Rahmen durchgeführter Rennbetrieb ist nicht abgesichert.

Siegfried Bredl: „Ich denke da an das Elefantentreffen. Die Wege auf dem Gelände sind nicht gestreut. Wenn dort ein Teilnehmer verunglückt, könnten zumindest theoretisch Ansprüche gegen den BVDM entstehen, die diese Versicherung, vereinfacht ausgedrückt, auffängt.  Der Kreis Freyung-Grafenau verlangt für das Elefantentreffen auch eine solche Versicherung mit einer Mindestdeckungssumme, die dem Bürgermeisteramt in Thurmansbang vor Veranstaltungsbeginn nachzuweisen ist.“

Versichert sind, so Siegfried Bredl, mit dieser Versicherung auch die angeschlossenen Vereine des BVDM, die eigenständig Veranstaltungen anbieten. Die Versicherung ist jedoch nicht mit einer Helfer-Unfall-Versicherung zu verwechseln. Abgesichert ist bei der Vereinshaftpflicht der Verband gegen Ansprüche von außen, nicht die Einzelperson, die für den Verband tätig wird. 

„Ich habe diese Versicherung, die bei meinem Amtsantritt schon bestand, übernommen. Ursprünglich wurde der Vertrag bei der Thuringia abgeschlossen, die es auf dem Markt nicht mehr gibt. Die Thuringia wurde von der Generali übernommen, die sich nun ebenfalls anders strukturiert. Die Generali beschäftigt sich jetzt mit dem Bereich der Vermögensberatung und wird in diesem Sinne fortgeführt, die anderen Zweige der Generali sind in die „Dialog Versicherung“ ausgegliedert worden, bei der nun auch unser Vertrag geführt wird. 

Eine Helferunfallversicherung gibt es beim BVDM auch. Sie wird immer neu und für den Bedarfsfall abgeschlossen. Bisher sichert sie jährlich die etwa 80 Helfer des Elefantentreffens ab, die bei einem Unglück 50 000 Euro für eine erlittene Invalidität erhalten können. Im Todesfall sind die Angehörigen mit 5000 Euro abgesichert. Die Verträge gelten nur für die Dauer der Veranstaltung. 

Ein Thema im Bereich geführter Motorradtouren, die von Gruppen und Vereinen immer wieder angeboten und unternommen werden, sind die von den Teilnehmern eingeforderten Haftungsausschlüsse. Siegfried Bredl bezieht dazu eindeutig Position: „Grundsätzlich muss das juristisch geklärt werden. Allerdings halte ich diese Haftungsausschluss-Erklärungen für nicht haltbar. Ein Tourguide führt nun einmal eine Gruppe und bestimmt mit seinem Verhalten wesentlich das Fahrverhalten. Er ist damit in meinen Augen in diesem Rahmen immer verantwortlich, auch wenn er sich das Gegenteil unterschreiben lässt.“

Eine aktive Versicherungsberatung für BVDM-Mitglieder führt Siegfried Bredl nicht mehr durch. Zu Beginn seiner Tätigkeit, sagt er, habe es noch entsprechende Anfragen gegeben, das sei aber eingeschlafen, auch wenn er auf etlichen Jahreshauptversammlungen immer wieder darauf hingewiesen habe. 

Günter Heumann-Storp