Zukunft

Die Zukunft des Motorrades war im Wirtschaftswunderland Deutschland Mitte der 50er Jahre des vorherigen Jahrhunderts gefährdet. Motorradfahrer galten als arm, da sie sich kein Auto leisten konnten. Es gab sogar Bestrebungen Motorräder ganz zu verbieten. Es gab jedoch damals Motorradfahrer, die an die Zukunft des Motorrads glaubten. Dies führte unter anderem 1958 zur Gründung des BVDM. 60 Jahre später wagen wir einen Ausblick auf die Zukunft des Motorrades, speziell in Deutschland und auf die Ziele, für die wir uns einsetzen.
Das Durchschnittalter der Motorradfahrer, auch der BVDM Mitglieder, steigt. Der Nachwuchs bleibt aus. Das liegt auch daran, dass Motorradfahren in Deutschland mittlerweile eher ein Freizeitvergnügen ist, als das Motorrad als tägliches Nutzfahrzeug einzusetzen und das die jüngeren Generationen andere Prioritäten bei der Freizeitgestaltung haben. Gleichzeitig werden die Verkehrsprobleme immer größer. Überlastete Straßen, Staus und immense Schadstoffbelastungen in den Innenstädten. Der Trend geht leider weiter in diese Richtung. Während der Motorradmarkt stagniert, verzeichnen gerade die besonders großen Autos die meisten Umsatzzuwächse für die Hersteller und verstopfen die Straßen zusätzlich.

 

Genau hier sehen wir die größte Zukunft des motorisierten Zweirads!

Eine Study der Universität Leuven/B (Commuting by motorcycle: Impact analysis) im Auftrag der Europäischen Kommission am Brüsseler Autobahnring, hat schon Ende 2011 ergeben: „Wenn nur 10 Prozent der Autofahrer während der Hauptverkehrszeit ihr Auto gegen ein motorisiertes Zweirad eintauschen würden, würde sich die (primär von Autofahrern) im Stau verbrachte Zeit um 40 Prozent reduzieren". In einer weiteren Schlussfolgerung ist die Studie quasi deckungsgleich mit einer englischen Universität, die den Londoner Stadtverkehr untersucht hat: Wenn 25 Prozent der Autofahrer täglich auf ein motorisiertes Zweirad umsteigen, würde es im täglichen Ballungsraumverkehrt keinen Stau mehr geben!

Ein Mobilitätstest 2017 der FEMA hat gezeigt, dass das Motorrad in allen europäischen Zentren aktuell das schnellste Verkehrsmittel ist. Ohne hier wissenschaftlich zu werden liegen die Gründe dafür eindeutig auf der Hand. Ein Auto benötigt 4-6-mal so viel Platz wie ein Motorrad. Ein Auto ist in Deutschland im Schnitt mit 1,2 Personen besetzt. Jeder der ein Auto nutzt benötigt die 5-fache Verkehrs- und Parkfläche, die im Großstadtraum knapp ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind leider häufig auch keine Alternative, selbst in Großstädten.
In anderen Teilen der Welt hat das motorisierte Zweirad eine ganz andere Bedeutung. Es ist häufig die einzige Möglichkeit persönlich mobil zu sein. So verwundert es nicht, dass 2015 weltweit ca. 116 Millionen motorisierte Zweiräder hergestellt wurden. Gerade einmal 0,894 Millionen davon hatten mehr als 500 ccm. Global betrachtet ist das Motorrad also eher ein preiswertes Individualverkehrsmittel und kein Spaßfahrzeug.

 

Warum nutzen nicht mehr Menschen, auch in Deutschland, ein motorisiertes Zweirad um ihr tägliches Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen?

Sie wären schneller und umweltfreundlicher am Ziel.
Insbesondere an viel befahrenen Straßen, besonders in den Städten, ist die Schadstoffbelastung hoch und direkt gesundheitsgefährdend. Auch wenn wir es nicht mehr erleben, aber die fossilen Brennstoffe die dafür benötigt werden sind endlich und werden irgendwann zur Neige gehen. In ferner Zukunft wird unsere Mobilität durch regenerative oder neue Energiequellen (z.B. Kernfusion) sichergestellt werden müssen. Egal, ob direkt, elektrisch oder über Umwege (z.B. Energieintensiv hergestellter Wasserstoff der lokal mit höhere Energiedichte speicherbar ist) wird uns in Zukunft die Elektromobilität verstärkt begleiten.
Wer es schon einmal probiert hat mit einem Elektromotorrad, -roller oder -auto zu fahren weiß, dass es ein anderes Fahren ist, welches durchaus Spaß macht. Die durchgängige Beschleunigung aufgrund eines immer vorhandenen Drehmoments und das entspanntere Fahren, weil nicht ständig gekuppelt und geschaltet werden muss. Elektrofahrzeuge haben ihren Reiz und Vorteile und vor allem können sie richtig Spaß machen. Fahrspaß hat also nichts mit Geräuschentwicklung oder einem lauten Auspuff zu tun. Egal, ob auf zwei oder vier Rädern.


Den Grundstein der heutigen Massenmotorisierung hat Henry Ford vor ca. 100 Jahren gelegt. Damals waren viele daraus resultierende Probleme, wie die Umweltbelastung, gar nicht bekannt. Noch weniger hatte man Lösungen. Für die Probleme wird man Lösungen finden (müssen), wie es auch in den letzten 100 Jahren beim Verbrenner der Fall war. Schon heute gilt aber: Da wo der Verbrenner je 100 km am meisten verbraucht, nämlich im Stau oder stockenden Verkehr, verbraucht ein Elektrofahrzeug am wenigsten. Die Schadstoffemission fällt, wenn überhaupt, nicht da an wo sie aktuell am meisten die Gesundheit schädigen, nämlich in verkehrsreichen Innenstädten. Elektrofahrzeuge sind also schon heute eine Alternative, wenn man berücksichtigt, das über 95 Prozent aller persönlichen Individualfahrten unter 5 km liegen und das Durchschnittstempo eines Autos, über alle gefahrenen Kilometer um die 30 km/h liegt. Für den Motorradfahrer, der sein Motorrad täglich nutzt um sein persönliches Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen ist ein Elektromotorrad schon heute eine mögliche Alternative. Bei deutlich günstigeren Betriebskosten und mindestens gleichwertigen Fahrspaß. Für den Motorradfahrer, der sein Motorrad vor allem in der Freizeit bewegt, sei es auf Tagestouren oder einzelnen Reisen, wird auch in absehbarer Zeit ein Elektromotorrad keine Alternative sein.
Wie stellte der Industrieverband Motorrad, IVM in Bezug auf die Zulassungszahlen von 2017 fest:
„Motorrad und Roller werden weiterhin eine echte Mobilitätsalternative bleiben und ihre Beliebtheit als emotionale Freizeitfahrzeuge mitten in unserer Gesellschaft noch ausbauen.
Hoffen wir gemeinsam, dass Deutschland auch im politischen Umfeld bald eine konstruktive Basis für ein gesundes Wirtschaftsumfeld liefert, so dass wir weiteres Vertrauen in dieses Land, in die Konjunktur und andauerndes Wachstum entwickeln können."

 

Elektromobilität

Was noch fehlt sind mehr geeignete Elektromotorräder, insbesondere von den im IVM organisierten Herstellern. Nicht schnell und schön, sondern alltagstauglich, mit Transportvolumen und Wetterschutz und mit viel Spaß beim Fahren.
Das motorisierte Zweirad oder Motorrad ist aktuell nicht das Problem im täglichen Verkehr. Es ist die umweltfreundliche Lösung aktueller und zukünftiger Verkehrsprobleme. Genau dafür werden wir vom BVDM uns auch in Zukunft einsetzen. Damals wie heute braucht es aber auch aktive Motorradfahrer, die sich dafür einsetzen, dass die Belange des motorisierten Zweirads nicht vergessen oder bewusst missachtet werden.