Eifel


Vorbereitungen

Trotz wackeliger Wetterprognosen waren wir auch in diesem Jahr wieder dabei, beim traditionellen Helfertreffen auf dem Eifelgrundstück des LVRR. Wir reisten schon am Mittwoch an, da wir noch an unserer eigenen Rallye tüfteln mussten. Stefan, der Chef Organisator und Mann mit Überblick jagte bereits den Rasenmäher übers Stroh. Er wirkte völlig entspannt. Auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er leicht erregt, dass seine Guzzi in Bälde wieder das Fahren mit ihm auf der Straße teilen wird. Nach so langer Abstinenz ein Grund für eine Laolawelle und wir freuten uns mit Stefan.
Nach und nach trudelten noch einige treue Motorradkumpel ein. Am Freitag Morgen fanden sich kräftige Mannen, die gemeinsam die Zelte für das Fest aufbauten. Es sollte ja Regen geben. Marco gab gute Anweisungen und hielt sich plötzlich den Bauch vor Lachen. Wir Baumeister hatten die Fenster der Seitenwand nach unten zeigend eingezogen. Marco fand jedoch, dass man so im Sitzen besser hinaus sehen konnte und der Dachs, der am Abend zuvor am Grundstück vorbei taumelte, könne besser hinein schauen. Ich hatte eine Idee, wer die Misere noch retten konnte. Die kleine Lina erhielt den Auftrag, Blumen für die Fenster zu malen, da wir keine Balkonkästen für Geranien hatten. Das erfüllte sie mit großem künstlerischem Geschick. Ihre Blumen wurden an die Fenster geklebt und schon war alles optisch gerettet.

 

Problemlösungen

Bernd L. war an diesem Wochenende Sonderbeauftragter für den Internetzugang, der gestört war. Nach eingehender technischer Untersuchung und detektivischer Arbeit im Gelände konnte der Fehler dingfest gemacht werden. Irgendwer hatte mit etwas sehr Großem an den Überlandkabeln der Telefonleitung gerissen. Nun hieß es, Tele kommste oder kommste nicht? Telefonieren können sie, aber für das Besteigen eines Mastes muss ein Subunternehmer herhalten. Mittlerweile ist auch das alles wieder hübsch. Marco brachte seine Yamaha Tracer zur Inspektion nach Mayen. Damit er sich nicht langweilt, durfte er solange mit einem Dreirad fahren. Völlig überwältigt kehrte er zurück. "Optisch sieht das Teil ja bescheiden und sehr hässlich aus, aber das Fahrverhalten und der Fahrspaß ist einfach grandios" verkündete er fasziniert.



Bernd hisste noch die Clubfahne und Marco hielt ihm die Stange. Mit dem Eintreffen von Steffi und ihrer Tochter Jessica war klar, dass für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt war. Es näherte sich dann noch ein riesiges Fass Bier aus dem Bayerischen Wald und ein wenig Leberkäs. Schlaraffenland goes Eifel.

Es kann los gehen

Im Laufe des Freitages brummte es immer mal wieder auf der Grundstücksauffahrt. Aber Obacht, nicht nur Motorräder kamen daher, sondern auch viele Autos und Behausungen auf vier Rädern. So manch einer schämte sich plötzlich. Ist das noch ein Motorradclub? Wie sagten sie am Nürburgring? In den Wäldern der Eifel weht der Geist des Motorsportes. Aber wir werden alle älter. Sowohl die Mopis als auch unsere Gelenke bewegen sich im Ersatzteilbereich. Fahren wir zum Essen auf Rädern oder gibt es schon Essen auf Rädern, dass zu uns fährt? Aber die Krücken standen abends alle in der Ecke und der Weg zum Bier wurde unfallfrei absolviert. Benzin wurde auch geredet und alle waren gut abgefüllt. ( Tank und Bauch ) Thomas und Calli erklärten geneigten Zuhörern die Welt und gingen sich dabei aus dem Weg. Die Eifelluft war wieder so gut, dass alle recht früh im Bett waren.

Die Rallye der Verwirrten

Nach einem deftigen Frühstück am Samstag morgen rief Lorenz zur Fahrerbesprechung für die Jux Rallye auf, aber nicht alle auf einmal........ Horst verteilte sogleich eine Anweisung, wie der von ihm persönlich gebaute Abakus einzusetzen ist. Letztes Jahr wurden wir noch mit Plus Rechnen getestet, jetzt sollte es Minus sein. Ich las konzentriert die Erklärung. Zahlen einstellen und eine einfache Zahl abziehen müsste gehen. Aber oh Schreck, die Sache mit dem Übertrag ist die Crux. Ich besorgte mir einen Zettel und malte fleißig Punkte darauf zur Anschauung. Wolfgang lachte mich aus, ich solle doch googeln, wie das geht. Brauchte ich nicht, Horst hatte ja alles erläutert. Bloß umsetzen muss man es. Verzweifelt verschwand ich im Wohnwagen und malte noch ein paar Punkte mit selbst erdachten Zahlen nebst Übertrag auf mein Blatt. Dabei fiel der Groschen. So konnte ich Horst überraschen und die Aufgabe lösen, dabei musste ich sogar zwei Zahlen von einander abziehen. Mathe ist nicht mein Lieblingsfach. Nachdem alle mit rauchenden Köpfen Horst beehrt hatten, durften wir los fahren. Bereits nach relativ kurzer Zeit traf sich ein Pulk der Teilnehmer in Rieden. Mit ungläubigen Gesichtern studierten wir Lorenz Arbeitsanweisung. Hans-Peter hatte die Theorie, dass Lorenz Rieden und Riedener Mühlen verwechselt hatte. Michael hatte die Theorie, dass zwei Richtungsanweisungen vertauscht waren. Ein Rettungsanruf bei Lorenz wurde getätigt und wir wurden in die richtige Richtung geschickt. Die Kilometerzahl stimmte zwar nicht, aber wir fanden den Wegstein und den unbefestigten Waldweg, den man hoch fahren sollte. Das wurde von fast allen Teilnehmern verweigert, die die Ersatzstrecke wählten. Posten Wilhelm wurde dabei nur durch Zufall im Rückspiegel erkannt. Das einzige Gespann und mein Mann und ich versuchten den Waldweg hoch zu fahren. Wir fuhren vorne weg. Scharf beobachtet von Marco. Er hatte Wilhelm auch nur zufällig gesehen und stand schon angespannt oben auf dem Berge. Seine erstaunten Augen erblickten das Gespann, dass nun als Erstes auf dem Waldweg auftauchte. Er sah Claudia, die als dritte Person hinter dem Fahrer thronte. Er machte sich Sorgen, was wohl aus Hans-Peter geworden ist. Er wird doch nicht gestürzt sein? Klar doch........und ich dachte, lass ihn da liegen und ich fahr mit jemand anderem mit........Nein, wir hatten nur umdisponiert. Unsere Yamaha ist mit zwei Personen auf einem matschigen Waldweg nicht geländetauglich. So stieg ich um. Es blieb nicht das letzte mal..... Die Umfahrungsanweisungen hatte ja niemand verstanden. Die ersten Mitstreiter kamen frustriert aus Wilhelms Wagen. Als wir die Aufgabenstellung erfuhren, fielen Marco und ich uns fluchend in die Arme. Man sollte auf einer blassen Kopie Motorradteile von unterschiedlichen Motorrad Typen erkennen, die zu einem neuen Fahrzeug zusammengestellt worden waren. Sah schick aus, aber alle waren schnell fertig, da sie nichts wussten. Lorenz, ich lege dir demnächst zwanzig Stradivaris dahin und du nennst mir das Baujahr nebst Monat. Ich denke, die Aufgaben dürfen nicht nur für Experten lösbar sein. Es machen immer wieder Ehefrauen und Kinder mit und die wollen auch Spaß haben.

Lost in the Eifel oder Ende Gelände?

Die Strecke wurde nicht einfacher zu fahren. Auf einem steilen geschotterten Weg fuhr Calli mit durchdrehenden Reifen los. Der Schotter spritzte nach links und rechts. Karin wagte einen kurzen Abstecher in die Botanik, Franzi ließ ihr Moped erst mal vom Vater wenden, und ich.......stieg mal wieder aufs Gespann um. Später äußerte sich Michael, dass er ab diesem Zeitpunkt nichts mehr verstanden hat. Wir sollten irgendwie einen Wirtschaftsweg bis zu einer Bahnhofstraße fahren, die tauchte nur leider am Ende des Weges nicht auf. Das Handy teilte uns mit, dass es in Weibern eine Bahnhofstraße gibt. Also fuhren wir den ganzen Weg zurück, um irgendwo in Richtung Bahnhofstraße abzubiegen. Danach glaubten wir, wir wären aus dem Gröbsten raus. Pustekuchen! Der nächste Wald und Schotterweg trieb mich erneut aufs Gespann. Der Einstieg in die alternative Strecke erschloss sich uns nicht. Das nächste Problem tauchte auf. Geht es hier nach Nickenich? Aber warum steht auf dem Zettel Kell? Wir sollen also diesen Umweg fahren? Dort ging es offiziell aber nicht mehr nach Nickenich. Wir trafen die umher cruisende Karin, die auch den rechten Weg suchte. Das Handy sagte uns, hier kann man auch nach Nickenich fahren. Gesagt getan. Wir fanden sogar die Lok auf einer Verkehrsinsel, die eine Aufgabenstellung war. Irgendwann fanden wir die zweite Streckenkontrolle. Bei Ernst und Birgit durften wir Bundesautobahnen den Bundesländern zuordnen. Marco meinte, „wer weiß denn sowas?" Thomas K. wusste später, dass Autobahnen mit ungeraden Zahlen immer von Nord nach Süd gehen und gerade Zahlen von West nach Ost. Einstellige Zahlen ziehen sich durch ganz Deutschland, zweistellige sind regional angesiedelt und richten sich grob nach der Postleitzahl. Da mein Mann sich nicht wirklich äußerte, schrieb ich auf Verdacht ein paar Bundesländer auf. Da waren wohl ein paar Richtige dabei. Ich verzichtete auf einen weiteren Ritt auf dem Gespann, obwohl es sehr schön war. Aber ich wollte auf der Yamaha ins Ziel einlaufen. So fuhren wir über die Straße zurück zum Grundstück. Dort fielen Marco und ich uns fluchend in die Arme. Lorenz wurde in Diskussionen verwickelt. Das hatte er sich so nicht vorgestellt.

Die Gemüter beruhigen sich

Auf dem Eifelgrundstück wurde es langsam gemütlich und es kamen noch ein paar Prominente Mitglieder vorbei. Michael L., Wolfgang Sch. und Michael W. begrüßten alle noch einmal offiziell und berichteten über das Wirken im Club. So wurden mittlerweile Gespräche mit Politikern geführt, bezüglich Motorradlärm und Streckensperrungen. Der BVDM ist dort sehr engagiert und hat viele gute Ideen.
Lorenz verkündete die Ergebnisse seiner Juxori und verteidigte sein Projekt. Nach und nach wurden die Plätze von unten nach oben verlesen. Als fast niemand mehr übrig war, fielen Marco und ich uns glucksend in die Arme. Wir hatten unverdient gewonnen........hatten wir doch so viel geflucht...... und das Gespann hatte ja erschwerte Bedingungen, mit mir hinten drauf. Leider wurde das nicht mit bewertet. Ich bedanke mich bei meinen Gespann Gastgebern! Das Dreirad, mit dem Marco fahren durfte, war übrigens eine Yamaha Niken!
Lorenz hatte sich sehr viel Mühe gegeben und immer Alternativen für seine gewählte Strecke angegeben, es wurde nur nicht von jedem verstanden. Ich empfehle einen Testlauf von jemand Unbedarftem. Wir bedanken uns für Lorenz' Arbeit. Mein Mann fand die Waldstrecken schön, aber nur weil er mich abgegeben hatte..............
Nun gab es für alle das ersehnte Grillgut und leckere Salate. Ach war das wieder schön!
Nach einem zünftigen Frühstück ging es ans Abbauen und Aufräumen. Stefan hat alles prima organisiert. Es sind sogar noch ein paar Getränke übrig geblieben, die bald Abnehmer finden werden. Wir sind ohne Zweifel mitten in der Eifel. Hoffentlich bald wieder.

Claudia F.