Was ist MotoGymkhana?

Bei der Idee „um Pylonen herum zu fahren“, denken die meisten Motorradfahrer spontan an Fahrschule, Sicherheitstraining und langweilige Trockenübungen für das „richtige“ Fahren.

Wer aber schon einmal Videos der japanischen MotoGymkhana-Fahrer gesehen hat, weiß, dass es auch ganz anders geht: MotoGymkhana ist eine extrem dynamische Motorradsportart, die in den 70er Jahren in Japan entwickelt wurde und sich seit den 2000er Jahren mehr und mehr weltweit verbreitet. Im Wesentlichen geht es darum, einen Parcours aus farbigen Pylonen so schnell wie möglich zu durchfahren und dabei die Möglichkeiten des Motorrads bis zu den physikalischen Grenzen auszureizen. Ein U-Turn bei vollem Lenkanschlag und kratzender Fußraste, maximale Beschleunigung gefolgt von hartem Bremsen in einen 6-Meter-Kreis hinein, ein 360-Grad-Turn auf kleinstem Raum – MotoGymkhana fordert Konzentration, Dynamik und ein hohes Maß an Kontrolle über die Maschine.

Das Besondere dabei ist, dass trotz der sportlichen Fahrweise kaum Verletzungsrisiko besteht, da selten schneller als 60Km/h gefahren wird und Stürze in der Regel bei sehr langsamen und technischen Passagen passieren. Gute Schutzausrüstung und ein guter Crash Cage für den Schutz des Motorrads sind in diesem Sport folglich obligatorisch, denn beim Fahren hart am persönlichen und physikalischen Limit muss man Umfaller und kleinere Stürze einkalkulieren. Aber gerade dadurch ist die Lernkurve sehr steil, denn durch Training in einer kontrollierten Umgebung und am Rande der persönlichen Komfortzone erweitert sich diese schnell und beständig. Diese Lernintensität lässt sich beim normalen Straßenfahren nicht erreichen, weshalb MotoGymkhana auch für Fahrer geeignet ist, die weniger am sportlichen Aspekt interessiert sind, sondern hauptsächlich ihre Fahrtechnik und Motorradbeherrschung effektiv und mit Spaß verbessern wollen.

 
Alle Bilder von und mit freundlicher Genehmigung vom MotoGymkhana Deutschland e.V.

MotoGymkhana in Deutschland

In Deutschland steckt MotoGymkhana noch in den Kinderschuhen und es bildet sich gerade eine Szene aktiver Fahrer um den im Frühjahr 2020 gegründeten Verein MotoGymkhana Deutschland e.V.

Dieser Verein bietet Tipps und Hilfe beim Einstieg, Trainings, Schnupperkurse und perspektivisch auch Wettkampfveranstaltungen an und ist eng mit dem niederländischen und tschechischen MotoGymkhana-Vereinen vernetzt, die schon etliche Top-Fahrer auf Weltniveau hervorgebracht haben. Ebenso besteht eine Freundschaft und Kooperation mit der #Rennleitung110.

MotoGymkhana ist eine Graswurzelsportart, d.h. nach dem Motto „von Fahrern - für Fahrer“ teilen Aktive und Erfahrene ihr Wissen offen mit Einsteigern, um die gemeinsame Sache voran zu bringen.

Wie kann man erste Erfahrungen machen

Mein erster Kontakt war die Teilnahme an einer Veranstaltung auf dem Flugplatz Zweibrücken im Frühsommer 2020, die gleichzeitig das erste Training des frisch gegründeten Vereins MotoGymkhana Deutschland e.V war. An diesem Wochenende wurden uns blutigen Anfängern von den etwas älteren Hasen und von sehr Erfahrenen (und schnellen!) Tutoren und Tutorinnen aus den Niederlanden die Grundlagen erläutert, und die Basis-Techniken auf verschiedenen Parcours eingeübt. Selten hat ein Wochenende so viel Spaß gemacht, und schon am Sonntagabend war die Mitgliederliste des neuen Vereins deutlich länger.

Seitdem werden regelmäßige Vereinstrainings an verschiedenen über das Bundesgebiet verteilten Standorten abgehalten, und es haben sich regionale Trainingsgruppen gebildet, die gemeinsam üben und sich wechselseitig unterstützen.

MotoGymkhana in Deutschland ist auf der Erfolgsspur, und wächst deutlich!

Dabei steht neben dem Fahren und der persönlichen Entwicklung auch immer das gemeinsame Schrauben und insbesondere der Spaß im Vordergrund. Verbissener Ehrgeiz und Leistungsegoismus ist mir bisher beim MotoGymkhana noch nie begegnet. Im Gegenteil: Auch Fahrer auf Europameister-Niveau sind sich nicht zu schade, Anfängern bei ihren ersten Fahrversuchen Tipps und Unterstützung zu geben. So macht das Arbeiten an der Verbesserung des eigenen Fahrkönnens Spaß, und die Gewinne an Präzision und Fahrzeugbeherrschung sind auch auf der Straße und bei der Ausübung anderer Motorsportarten deutlich zu spüren.

Natürlich hat Corona uns in 2020 bei vielen Trainings und Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch viele gemeinsame Veranstaltungen mit dem niederländischen Verein sind daran gescheitert.

Um so mehr hoffen wir auf die zweite Jahreshälfte 2021 und freuen uns auf Interessenten und Neuzugänge!

 

Was man wissen sollte

Geeigneter Untersatz

MotoGymkhana kann man grundsätzlich mit jedem Motorrad fahren. Aktuell ist bei unseren Trainings von der alten Vespa über Enduros und Sportler bis zu Tourenmotorrädern alles vertreten. Auch 50er und 125er fahren mit, und sind nicht unbedingt die langsamsten.

Es gibt jedoch einige Dinge, die ab einem gewissen Leistungsstand empfohlen sind :

  • Ein guter Crash Cage schützt das Motorrad (und die Beine des Fahrers) bei einem Umfaller/Sturz und sorgt dafür, dass man freier und ungezwungener trainiert, eher an die Grenzen geht und somit schneller besser wird.
  • Stummellenker machen enge Rotationen im Full Lock schwierig/ fast unmöglich und sollten ggf. durch einen Superbike- oder Tourenlenker ersetzt werden.
  • Die Erhöhung des Standgases sorgt für weniger Lastwechsel beim Bremsen in Schräglage (Trailbraking) und erleichtert enge Drehungen (Rotationen).

Es gibt noch eine Reihe anderer Modifikationen, die bei fortgeschrittenen Fahrern üblich sind. Doch grundsätzlich gilt:

„Fix the rider before you fix the bike“ (Richard van Schouwenburg, mehrfacher Motogymkhana-Europameister)

Weiterführende Informationen

Trainingstermine und den Einstieg in diesen Sport findet ihr über folgende Kontakte:

Die Website des deutschen Vereins https://motogymkhana.de/ bietet

  • Eine Einführung
  • Das MG-Regelwerk
  • Beispiele für Übungsparcours
  • Links zu Remote Competitions (Wettbewerbe über Videos, Corona-bedingt momentan die einzig mögliche Form des Wettbewerbs)
  • In Zukunft nach Corona: Plattform für die Ausrichtung und Durchführung von Vereinstrainings und -wettbewerben

Die Kontaktseite auf Facebook https://www.facebook.com/groups/MotoGymkhanaGermany dient dem informellen Austausch unter den Aktiven.

Der YouTube-Channel von Stefan Reis (Mogy) gibt Einsteigern und Fahrern am Anfang ihrer Entwicklung durch Trainingsvideos und Einführungstipps Hilfestellung https://www.youtube.com/channel/UCY_7w9on49tfq-MrG1OoaAw
Stefan ist auch 1. Vorsitzender des deutschen Vereins.