Holstentor

Tourenzielfahrt "Stadttore" mit drei Gespannen


Weil es schon fast Tradition ist, wollten wir drei - Horst-Werner, Uwe und ich - auch in diesem Jahr mit unseren Gespannen wieder gemeinsam in den Frühling fahren. Ziele sollten die Stadttore aus der BVDM-Tourenzielfahrt sein, und wir haben Norddeutschland als unser Revier ausgewählt. Den Wettbewerb gewinnen will keiner von uns, aber eine gute Platzierung würde uns auch nicht stören.

Mutter verloren

So haben wir uns zu zweit am Mittwoch um 10 Uhr am Klever Tor in Xanten getroffen. Uwe macht Urlaub in Nordfriesland, ihn treffen wir später. Auf der Fahrt Richtung Norden war dann plötzlich an meiner Maschine der Schalthebel ohne Funktion. Eine Mutter ging verloren, und ein Gelenkkopf der Hebelei hing schlapp herunter – kein großes Problem. Weiter ging es dann mit Regenjacke, obwohl es nur leicht nieselte. Aber so war es deutlich behaglicher in der Kluft. Im Laufe des Tages besuchten wir zwei Tore, die sich recht ähnlich waren, aber in der Punktezahl weit auseinander lagen. Gegen Abend erreichten wir Emden, wo wir das Hafentor und auch ein Dach über dem Kopf und über den Gespannen fanden. Bei allen späteren Übernachtungen standen sie unter dem Sternenhimmel.

Bekanntschaft mit dem Ordnungsamt

Im Zickzackkurs erreichten wir am nächsten Morgen das Torhaus der St. Martinskirche in Remels, weil sich unsere Navis nicht einigen konnten. Ein paar Stunden später hatten wir zwei weitere Ziele in Niedersachsen besucht und parkten auf dem zentralen Busbahnhof in Stade. Ich war schon auf dem Fußweg zum Hahnentor, als Horst-Werner die Bekanntschaft mit einem Herrn vom Ordnungsamt machte. Der empfahl ihm nachdrücklich, ins Parkhaus zu fahren. Nach meiner Rückkehr erklärte er mir, welche Schilder ich alle unbeachtet gelassen hatte, verwarnte mich freundlich und mündlich, beschrieb auch mir den Weg ins Parkhaus und setzte seinen Streifengang fort. Als Horst-Werner vom Parkhaus zurückkam, verabredeten wir, uns am Fähranleger in Wischhafen zu treffen, und jeder ging oder fuhr seines Weges. Am Kai wartete ich eine Weile, aber als auch das zweite Boot ablegen wollte, rief ich ihn an und erreichte ihn kurz vor dem Ausschiffen in Glückstadt. Wo er mich überholt hat, blieb ungeklärt. Bald darauf war auch ich dort, und da es Zeit dafür war, suchten wir eine Herberge und fanden sie unmittelbar am Hafen.

 

Bernau-bei-Berlin-Steintor  Malchin-Kalensches-Tor
               Bernau-bei-Berlin-Steintor                                               Malchin, Kalensches Tor

 

Werkstattbesuch bei einem Bekannten

Auf den letzten Kilometern hatte die Vorderradbremse außer ihrer Pflicht auch schabende Geräusche gemacht. Deshalb und weil es regnete, haben wir nach dem Frühstück mein Gespann unter die Terrasse geschoben, die Beläge überprüft, aber keinen Mangel gefunden. Auf der Fahrt zum verabredeten Treffpunkt am Nordertor in Flensburg war das Schaben verstummt, und auch der Regen hörte auf. Pünktlich um 14 Uhr war unsere Gruppe komplett und wir nahmen uns in die Arme. Durch die Landschaft Angeln ging's Richtung Süden, die Schlei an einer ampelgeregelten Bahn- und Straßenbrücke überquert, Kiel großzügig umrundet und an einigen Holsteiner Seen entlang, erreichten wir das Kremper Tor und ein Nachtquartier in Neustadt. Zum Holstentor in Lübeck und zum Wassertor in Wismar war es tags darauf nicht weit. Wir fanden auch immer wieder schöne Strecken abseits der Bundesstraßen und Autobahnen. Beim Tanken bemerkte Horst-Werner, dass die schwergängige Lenkung an mangelndem Luftdruck im Vorderrad lag. Also aufgepumpt und weiter. Aber mehr als 50 km reichte das auch nicht. Dann las ich im Vorbeifahren an einem Autohaus zufällig einen Namen, der mir bekannt war. Es war Steffen, ein Helfer beim Elefantentreffen. Wir berieten uns kurz, es war Samstagnachmittag, und klingelten an der Pforte. Von Martina, seiner Gattin, wurden wir freundlich empfangen. Sie telefonierte Steffen herbei, öffnete die Werkstatt und brühte uns einen Kaffee. Als das Rad ausgebaut war, kam Steffen, freute sich über das Wiedersehen und brachte einen gebrauchten 15-Zoll-Schlauch mit. Der war auch dringend nötig, denn der andere war mit Falten eingelegt worden, deshalb an zwei Stellen gebrochen und nicht reparabel. Nach einem herzlichen Dank und Abschied ging es weiter ostwärts bis wir das großartige Kalensche Tor in Malchin etwas deplatziert zwischen modernen Gebäuden und Plattenbauten fanden und auch ein Hotel.

Und wieder ist die Luft raus

Am nächsten Morgen war der Reifen wieder platt, aber unsere Wirtin wusste Rat. Sie telefonierte mit ihrem Autohändler, und in dessen Werkstatt konnte Horst-Werner den Flicken auf das kleine Loch kleben, obwohl es Sonntag war. Weiter ging es ostwärts auf die Insel Usedom und über die polnische Grenze, die wir ohne Halt passierten. Dann standen auch gleich einige Tankstellen am Straßenrand, an denen wir mit Euro bezahlen und 20 Cents je Liter sparen konnten. Von den Deltafließen der Oder muss nur die Swine mit einer Fähre überwunden werden. Sie stand bereit und war kostenlos. Über die Insel Wollin erreichten wir das eindrucksvolle gotische Stadttor in Kamien/Pomorski, das am Strand des östlichsten Teils des Oderhaffs liegt. Hier waren wir bei der Quartiersuche leider nicht erfolgreich, aber nach etwa einer Stunde Fahrt fanden wir bei Novogard ein gepflegtes Hotel für 55 Euro die Nacht mit Frühstück für uns drei. Dort hatten wir den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht.

 

Gardelegen-Sterngewoelbe-im-Salzwedeler-Tor  Usedom-Anklamer-Tor
   Gardelegen, Sterngewölbe im Salzwedeler Tor                       Usedom, Anklamer Tor

Softeis in "Olafs Werkstatt"

Bei Gartz ging's zurück über die Oder, in Angermünde zu dem Gedenkstein für das abgerissene Prenzlauer Tor und weiter nach Bernau bei Berlin. Das dortige Steintor ist zusammen mit dem Hungerturm und der beide verbindenden Stadtmauer ein eindrucksvolles Ensemble, auf das wir von einem Straßencafé aus den Blick genossen. Nach der Pause fuhren wir weiter nach Gransee und Neustadt an der Dosse, wo wir nächtigten. Auf dem letzten Kilometer meldete sich wieder die Bremse an meinem Vorderrad. Die Ursache war eine lockere Schraube, wegen der der Bremssattelhalter von den Lagern auf der Radachse abgerutscht war. Dadurch lag der Sattel auf der Bremsscheibe auf. Er musste richtig positioniert, festgeschraubt und mit den mitgeführten neuen Bremsbelägen versehen werden, dann war wieder alles in Ordnung. War ich doch mit dem Rüttler unterwegs, wie mein alter Mitstreiter Bernd aus dem Sauerland die Guzzis nennt??? Zu Abend aßen wir in „Olafs Werkstatt", einem kleinen nostalgischen Restaurant, wo es auch Original-DDR Softeis gab.

Weiter geht's erst mal zu zweit

Am nächsten Morgen beim Anlassen zur Weiterfahrt flogen aus Uwes Motor das Schauglas und ein Schwapp Öl nach links auf das Pflaster. Damit waren unsere Bordmittel überfordert. Der BMW-Notruf empfahl Uwe den Transport zur Werkstatt in Berlin. Da wir alle am übernächsten Tag zu Hause sein wollten oder mussten, traten Horst-Werner und ich die planmäßige Weiterfahrt an, die uns über Wittenberge, Gardelegen und Helmstedt nach Wernigerode führte. Dort kauften wir jeder ein Mitbringsel und blieben über Nacht. Am letzten Tag unserer Frühlingsfahrt besuchten wir noch die Tore in Duderstadt und Bad Sooden-Allendorf und dann ging es heim. Uwes Gespann wurde an diesem Morgen in Berlin repariert, und auch er konnte die Reise zeitgleich mit uns beenden.

Horst Orlowski