Hörsaal

Dass der Bundesverband der Motorradfahrer Mitglied der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland e.V.(VOD) [1] ist, gilt bei der verkehrspolitischen Ausrichtung des Verbandes als Selbstverständlichkeit. Genauso selbstverständlich ist es, dass ein Vertreter des BVDM vor Ort ist, wenn die VOD zum Deutschen Verkehrsexpertentag nach Münster einlädt, der im November 2019 unter der Schirmherrschaft von NRW-Innenminister Herbert Reul stattfand.

In diesem Jahr stand die Expertentagung unter dem Motto: „Verkehrsunfallopfer: Praktische Erfahrungen und zukünftige Anforderungen“. Mit im Boot beim Deutschen Verkehrsexpertentag in Münster saß auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Aus einem Vortrag im Namen dieses Verbandes ergaben sich neue Sicht- und Verfahrensweisen, die für Unfallbeteilige erhebliche Verbesserungen bedeuten.

Beisitzerin Karin Karrasch war für uns in Münster. Und sie konstatierte ein Umdenken der Versicherungswirtschaft. Wohl mehr nolens als volens, aber immerhin zum Wohle der Versicherten:

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht neue Wege

Viele kennen die Situation. Nach einem schweren Unfall steht man nach einem Krankenhausaufenthalt mit den erforderlichen Rehabilitationsmaßnahmen alleine da. Die Versicherung will oder kann nicht helfen. Meist liegt zwischen beiden Attributen ein schmaler Grat. Die Hotline des Ansprechpartners ist unpersönlich und zeigt sich weit weg von empathischen Empfindungen. 

Das soll nun alles der Vergangenheit angehören. Das GDV-Informationsnetzwerk „Rehabilitation nach Verkehrsunfällen“ ist am 21. Oktober 2019 an den Start gegangen. Die Versicherer haben erkannt, dass die bisherige Verfahrensweise nicht nur zu vermehrtem Unmut und Leid der Kunden, sondern auch zu erheblichen Mehrkosten geführt hat. Insbesondere letzteres wird den Umdenkprozess eingeleitet haben. Wie dem auch sei. Jetzt entsteht durch eine neue Verfahrensstruktur und Unterstützung eines Großteils der Versicherer eine „Win-Win-Situation“, von der alle profitieren, sowohl die Verletzten und deren Angehörige, als auch die Versicherer.

Der GDV, online erreichbar unter https://www.gdv.de/de, vereint nach eigener Aussage 74 Prozent der Gesamtversicherungswirtschaft. Das hat Gewicht. In zwei Infoblättern wird anschaulich erklärt, wie sich zukünftig die Unfallhilfe für die Versicherten darstellen soll. Während man sich früher als prüfende und leider oftmals auch kürzende, unpersönliche und von juristischer Diktion geprägte, anonyme Anlaufstelle verstand, zeigt die neue Ausrichtung ein völlig anderes, gegenteiliges Gesicht. Die Versicherer wollen sich jetzt als Lotse im Dschungel des Rehabilitationsprozesses verstanden wissen, Vertrauen schaffen und den persönlichen Kontakt stärken. „Gib der Versicherung ein Gesicht“, heißt das Motto.

Es würde zu weit führen, hier die geplante Unterstützung des GDV im Falle eines schweren Unfalls im Detail zu skizzieren. Wer möchte, kann sich die Infoblätter herunterladen und sich „schlau“ machen. Im Falle eines Falles lohnt es sich.

Günter Heumann-Storp / Karin Karrasch


[1] Die VOD vertritt als unabhängiger deutscher Dachverband die Interessen der deutschen Institutionen und Selbsthilfeeinrichtungen zum Schutz von Verkehrsunfallopfern. Ziel der VOD ist es, die Lebensbedingungen von Verkehrsunfallopfern gemeinsam spürbar zu verbessern, für die Rehabilitation dieser zu kämpfen und die Verkehrsbedingungen positiv zu verändern. Der BVDM empfindet dies als eine sehr wichtige Angelegenheit und möchte die Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland e.V. so gut es geht unterstützen.