400 Motorradfahrer demonstrieren an der K 18 in Wermelskirchen gegen Benachteiligung und Verkehrsgefährdung durch Tempolimits nur für Motorräder

Rund 400 Motorradfahrer haben nach Angaben der Polizei am Samstagmittag (27. Juni) in Wermelskirchen friedlich gegen die Ungleichbehandlung auf der K 18 und der L 294 demonstriert. Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM e.V.) hatte zu der Protestaktion eingeladen, nachdem der Wermelskirchener Bürgermeister Rainer Bleek auf der Strecke verschiedene Tempolimits (50, 60 und 70) nur für Motorradfahrer angeordnet hat und die Schilder medienwirksam mit Landrat Stephan Santelmann enthüllt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kritik am Bürgermeister wegen mangelnder Informationspolitik

Michael Wilczynski, 2. Vorsitzender des BVDM und Referent für Streckensperrungen, hatte die Demonstration organsiert und erläuterte in seiner Ansprache, warum der BVDM gegen diese Anordnung demonstriert. Die Demonstration sei erforderlich, um auf die erhöhte Unfallgefahr aufmerksam zu machen, die durch die Anordnung des Tempolimits entstanden sei. Wilczynski kritisierte den Bürgermeister, der sich im Vorfeld weder mit den Anwohnern noch mit dem Arbeitskreis Lärm, in dem auch der BVDM vertreten ist, abgestimmt, noch sie überhaupt informiert habe.

„Wahrscheinlich hätten wir eine einvernehmliche Lösung hier gefunden, wenn man diesen Arbeitskreis eingebunden hätte. Zumal die Stadt Wermelskirchen grundsätzlich sehr einfallsreich ist. Einfach vollendete Tatsachen zu schaffen ist nicht demokratisch. Ob es unter diesen Gegebenheiten Sinn macht, einen Arbeitskreis zum Thema Verkehrslärm am Leben zu lassen, halte ich für sehr fraglich!“, sagte Wilczynski unter dem Applaus der Teilnehmer.

BVDM fordert Tempolimit für alle Verkehrsteilnehmer

Er bemängelte auch die als Begründung für das Tempolimit herangezogenen Unfallbilanzen. Denn Bürgermeister und Landrat hätten die Unfallstatistik des Rheinisch Bergischen Kreises von 2018 und nicht die von 2019 herangezogen. Waren 2018 kreisweit noch 120 Unfälle mit Motorradfahrern zu verzeichnen, gab es 2019 insgesamt 88. Wobei jeder Unfall, egal welcher Verkehrsteilnehmer, einer zu viel sei, wie Wilczynski betonte. Laut Unfallstatistik gebe es keine Unfallschwerpunkte auf der K 18, ausgenommen sei die Kreuzung K18/L101, wobei nicht zu erkennen sei, ob das Unfälle mit Motorradbeteiligung waren. Die Begründung, dass es bei der Anordnung des Tempolimits um die Sicherheit der Motorradfahrer gehe, sei nicht schlüssig, im Gegenteil. Zum einen entstehe durch einseitige Geschwindigkeitsbegrenzung ein neues Gefährdungspotenzial, zum anderen sei an Stellen, an denen es vorher Unfälle gegeben habe, kein Tempolimit angeordnet worden. Das gebe es nur im Bereich der Wohnbebauung. Das auch zu Recht, denn die Anwohner hätten ein Recht auf Schutz vor übermäßigem Lärm. Um Lärm zu reduzieren und Unfälle zu vermeiden, müsse das Tempolimit für alle Verkehrsteilnehmer gelten, forderte Wilczynski. Er machte deutlich, dass sich der BVDM rechtliche Schritte vorbehalte, sollte die Stadt die Beschilderung nicht entsprechend ändern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr gegenseitigen Respekt gewünscht

Er wünschte sich zudem mehr Respekt, Respekt der Motorradfahrer für die Anwohner, aber auch Respekt gegenüber den Motorradfahrern. „Ich wünsche mir, dass die Motorradfahrer hier so fahren, als ob sie selbst hier wohnen würden. Ich wünsche mir mehr Kontrollen um die Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an unsere Gesetze halten, zu ermahnen bzw. bestrafen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass solche Demos unnötig werden, weil wir miteinander leben und uns respektieren können.“

Nach Ende seiner Rede bot er den Anwohnern die Möglichkeit an, zu den Motorradfahrern zu sprechen und ihre Sicht darzustellen. Diese Gelegenheit nutzte keiner der Anwohner. Zum Abschluss der Demonstration fuhren die rund 400 Teilnehmer im Korso über die K 18.

Der BVDM bedankt sich bei der Polizei für die gute Zusammenarbeit und den reibungslosen Ablauf und bei allen Helfern und Teilnehmern.