Endschalldämpfer

Nordkirchener Probleme

In Nordkirchen ist es – so sagen die Bewohner des idyllischen Örtchens im Münsterland – deutlich zu laut. Und das liegt durchaus nicht an der nahegelegenen Hochschule für Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen, sondern am gleichfalls ortsnah angesiedelten Treffpunkt für Motorradfahrer, dem Bikertreff an der Berger Straße 25.

Karim Laouari von den Ruhrnachrichten hat dazu am 6. Februar 2020 einen Artikel veröffentlicht:

„Vor allem im Frühling und Sommer werden besonders die Wochenenden anstrengend für viele Anwohner der Bergstraße in Nordkirchen. Teilweise in Kolonnen fahren Motorräder durch den Ort. Dumpfes Knattern wechselt sich ab mit hochdrehenden Motoren – manche Maschine reizt die Grenzen der erlaubten Geräuschpegel spürbar aus.

Der Nordkirchener André Bock (52) ist Anwohner und beklagt schon länger, dass der Motorradlärm teilweise eine Dauerbelastung sei. Mit der Gemeinde hat Bock bereits Vorschläge besprochen, wie der Lärm reduziert werden könnte. Am Mittwochabend wurde dieser Kreis noch größer: Gemeinde, Vertreter des Kreises Coesfeld, der Polizei und des Bundesverbands der Motorradfahrer (BVDM) haben am runden Tisch mit betroffenen Anwohnern diskutiert, wie sich das Lärmproblem reduzieren lassen könnte.

Es gibt keine einfache Lösung

Die Kurzfassung vorneweg: Eine einfache Lösung gibt es nicht. Ein Durchfahrtsverbot für Motorräder durch den Ort ist nicht umsetzbar, wie die Mitarbeiter des Kreis-Straßenverkehrsamtes deutlich machten. Stattdessen haben sich die Teilnehmer des runden Tischs andere Ansatzpunkte überlegt, das Problem anzugehen.

Im Kern geht es dabei um Aufklärung und darum, das Gespräch mit den Bikern zu suchen. Ab Frühling/Sommer sollen die ersten Ideen umgesetzt werden.

Zum einen hat die Polizei angekündigt, entlang der Strecke in den Nordkirchener Ortskern stärker Motorradfahrer zu kontrollieren. Heißt: Geschwindigkeit und Lautstärke.

Gerade die Lautstärke ist allerdings eine Ermessensentscheidung der Polizeibeamten, macht Reinhard Dietrich, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Coesfeld deutlich. Es gebe keine konkrete Dezibelgrenze. Bei der Zulassung werde jedes Fahrzeug, also auch Motorräder, technisch überprüft. Fragen, die sich den Polizisten bei Kontrollen stellen, seien daher: Ist das Motorrad erkennbar zu laut? Hat der Fahrer den Gashahn aufgedreht?

Und selbst wenn eine Maschine akustisch das erträgliche Maß überschreitet: Mit 20 Euro Strafe sei die Ordnungswidrigkeit für viele wie ein Startgeld, das bei Touren eingeplant ist. Heißt: Die Bestrafung ist nicht der richtige Hebel, um gewisse Fahrer davon zu überzeugen, leisere Töne anzustimmen.

Überhaupt sei es nur ein kleiner Teil der Biker, die zu laut und zu schnell unterwegs sind. Der Rest halte sich an die Regeln und merke gar nicht, wie sehr der Motorradlärm die Anwohner belastet.

Gerade diese Biker will André Bock erreichen. Nicht mit Bußgeldern oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf Augenhöhe. Gemeinsam mit der Verkehrswacht und den „Blue Knights“, der Biker- Gruppe der Polizei wollen Anwohner und Gemeinde Infoaktionen umsetzen, um Motorradfahrer für das Thema Lärm zu sensibilisieren.

Hinweisschilder zum Schloss

Ein Effekt könnte sein, dass viele Biker, die eigentlich nur zum Schloss als touristischer Hauptankerpunkt der Gemeinde wollen, beim nächsten Besuch die Umgehungsstraße nutzen, statt durch den Ortskern zu fahren. „Kaffee statt Knöllchen“ könnte eine solche Aktion sein, um mit Bikern ins Gespräch zu kommen.

Hinweisschilder könnten ein weiteres Mittel sein, um Motorradfahrer auf die Problematik aufmerksam zu machen, so Bürgermeister Dietmar Bergmann.

Von den Mitarbeitern des Straßenverkehrsamtes hingegen kam der Vorschlag, die insgesamt sechs Verkehrsmessgeräte des Kreises eine Woche lang an den verschiedenen Straßen im Ortskern zu installieren. Eine Woche lang sollen die Geräte das Verkehrsaufkommen auf Bergstraße, Mühlenstraße, Lüdinghauser Straße, usw. die Anzahl der Fahrzeuge, und deren Tempo messen.

Ein Wert, der auch der Gemeinde bei ihrer Verkehrsplanung in Nordkirchen durchaus helfen könnte, wie der Bürgermeister sagt. Starten sollten die Aktionen mit der Motorradsaison.“

Michael Wilczynski war für den BVDM am 5. Februar 2020 beim Runden Tisch vor Ort. Und konnte feststellen, dass der Ansatz, mit den Motorradfahrern zu reden, der einzig richtige ist und genau die Verfahrensweise trifft, die auch vom BVDM immer wieder propagiert wird. „Kaffee statt Knöllchen“ geht genau in diese Richtung. Erfrischend auch, dass in Nordkirchen nicht einfach polemisiert wird. Natürlich sind es einzelne Motorradfahrer, die auch hier mit ihrem Verhalten alle in Misskredit bringen.  Schön, dass das so auch von der Polizei festgestellt wird. Dass der Bürgermeister des Örtchens die Kaufkraft der Motorradfahrer lobt, zeigt, dass es auch wirtschaftliche Interessen gibt, die zu einem positiven Dialog führen. Das ist legitim. Nur wird es selten auch so geäußert.

Wir können nur hoffen, dass der Runde Tisch Nordkirchen Schule macht und Nachahmer findet. Und dass die Motorradfahrer dieses faire Angebot auch annehmen und im Interesse aller umsetzen.

Michael Wilczynski/ co. Günter Heumann-Storp